Psychologie oder so

Scanner-Persönlichkeit und Wattigkeit

Mai 11, 2020

Was? Ich bin ein Scanner? Beep beep, Quatschiquatsch, nicht das Gerät! Ein Persönlichkeitstyp! Eine bestimmte Art bzw. eine Eigenschaft an einem Menschen, ha. Wieso steh‘ ich eigentlich so auf Kategorien?

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich zum ersten Mal über den Begriff Scannerpersönlichkeit gestolpert bin. Nämlich hat die liebe Ingrid Cat (Ingrids YouTube-Kanal) das Thema in einem ihrer Vlogs auf YouTube angesprochen, und davon wiederum habe ich mich wahnsinnig angesprochen gefühlt. Und vielleicht geht es dir gleich ähnlich, und wenn nicht, dann bist du gleich zumindest dennoch ein bisschen schlauer als vorher, vielleicht.

Ich: „Das muss ich unbedingt ausprobieren!“

Gehörst du zu den Menschen, die immer so viele Ideen im Kopf haben, dass sie gar nicht wissen, womit sie eigentlich anfangen sollen? Bist du schnell Feuer und Flamme für ein Thema? Gehst du darin auf, dich in das Unbekannt zu stürzen und Neues zu entdecken? Aber dann, manchmal früher, manchmal später ist die Begeisterung verpufft, du langweilst dich und hast schon wieder Ideen für neue Projekte? Bevor ich wusste dass es sowas wie Scanner-Persönlichkeiten gibt, habe ich diese Eigenschaft „Wattigkeit“ genannt und sogar einen kleinen Text darüber geschrieben:

Ich bin wattig; du bist wattig; er, sie, es ist wattig
Watte. Genau, ich meinte die Watte aus Baumwolle. Sehr weich und pfluffig. Und weiß. Manchmal auch aus Viskose. Oder aus synthetischen Fasern wie Polyester. In Sachen Brennbarkeit die Nummer eins. Innerhalb von Sekunden wird aus einem großen Haufen Watte, ein kleiner Haufen Schwarz. Genau so verhält es sich oft mit meiner Begeisterung. Ich bin sehr wattig. Oft braucht es nur einen kleinen Impuls, ein Fünkchen, und schon brenne ich lichterloh. Von 0 auf 100. Das ist von außen betrachtet ganz amüsant, aber für mich in den meisten Fällen weniger cool. Denn in Flammen stehen ist heiß. Sehr heiß.

Das habe ich zu einer Zeit geschrieben, in der ich dachte, dass Wattigkeit tendenziell eher eine negative Eigenschaft ist. Weil sie von anderen Menschen als sprunghaft, wankelmütig, nicht ausdauernd und nicht diszipliniert genug aufgefasst werden KÖNNTE. Natürlich hat mir das nie jemand ins Gesicht gesagt, aber aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer, habe ich den Leuten unterstellt, dass sie mein Verhalten genau so interpretieren. Inzwischen sehe ich das anders. Wie es dazu gekommen ist möchtest du wissen, hm? Darauf kommen wir später zu sprechen. Zuerst einmal zurück zu den Fakten bezüglich Scanner-Persönlichkeit.

Wer hat sich das ausgedacht?

Geprägt wurde der Begriff von der US-Amerikanerin Barbara Sher, geboren 1943. Sie ist Autorin und Coach – und das schon ein ganzes Weilchen. Ihr erstes Buch How to Get What You Really Want erschien 1978. Danach folgten unter Anderem Titel wie I Could Do Anything If I Only Knew What It Was und Refuse to Choose!: A Revolutionary Program for Doing Everything That You Love. (Quelle: Wikipedia) Auf ihrem YouTube-Kanal gibt es sogar ein paar Videos von ihr zu schauen, in welchen Sie auf ihr Modell eingeht. Ich hätte das Thema gerne ganz genau unter die Lupe genommen, aber bin online nicht fündig geworden. Ich weiß also nicht, wie sie zu ihren Annahmen gekommen ist.

Wenn du zufällig mehr weißt, schreibt das gerne in die Kommentare und teile dein Wissen mit der Welt. Alternativ kannst du dein Wissen auch nur mit mir teilen, indem du mir zum Beispiel auf Instagram schreibst. Da findest du mich unter enalarson. Bei meiner Recherche bin ich über einen Beitrag zu dem Thema gestolpert, den ich besonders gut fand. Wenn dich das Thema interessiert, wirf da später auf jeden Fall einen Blick darauf: Zu viele Interessen? Oder von Natur aus vielseitig? von Jana Lindberg

Eigentlich eine ziemlich coole Eigenschaft!

So weit, so gut. Ich habe vorhin anklingen lassen, dass ich meine Wattigkeit inzwischen gut finde. Wie kann das sein? Die Zeit meine Freunde. Nicht das Magazin oder die Zeitung, sondern die, die unweigerlich vergeht und uns wie Sand durch die Finger rinnt. Als Jugendliche und selbst als Anfang-20-jährige hatte ich zu mir selber ein ganz anderes Verhältnis zu mir und ein anderes Selbstverständnis als heute mit 26. Inzwischen lege ich auf irgendwelche Normen, Erwartungshaltungen und Meinungen nach denen ich nicht gefragt habe, keinen besonders großen Wert mehr. Gab es ein Schlüsselerlebnis? Don’t know. Ich weiß nicht, wann diese Einsicht meinerseits kam – dass ich nur mir selber Rechenschaft schuldig bin und machen kann, was ich will. Zu irgendeinem Zeitpunkt hat es Klick gemacht, ganz laut und doll. Mit richtig fettem Nachhall. Das hat Wände zum Einsturz gebracht und seitdem fühle ich mich viel leichter. Fühlt sich so Selbstakzeptanz an?

Eine Ermutigung!

An dieser Stelle schreibe ich abschließend, was ich auch unter eines von Ingrid Cats Videos kommentiert hatte:

mach dir keinen Druck, sondern einfach worauf du Lust hast 🙂 Das ist was superschönes, sich für viele Dinge zu interessieren und mit einer gewissen kindlichen Begeisterung an Sachen ranzugehen. Deine Kanäle/Projekte sind DEINE Spielwiesen auf denen du dich kreativ austoben kannst.

[…] Ich hatte Anfang des Jahres ein paar Wochen so enorm viel Lust auf Musik machen. Und das habe ich dann auch gemacht. Mache ich das noch immer? Nein. Gerade machen mir andere Sachen einfach mehr Spaß und mein Tag ist leider ja auch nur begrenzt. Manchmal finde ich das dann schon schade, und frage mich warum ich denn nicht mal an einer Sache dranbleiben kann um wirklich richtig gut darin zu werden. Und dann frage ich mich, warum ich denn unbedingt richtig gut in einer Sache werden will? Ist das denn wirklich notwendig? Für mich? Oder denke ich dass nur weil wir von klein an lernen, dass man eine Sache tut, nicht der Sache wegen, sondern um darin besser zu werden. Eben mit irgendeinem Ziel. Immer schneller, immer lauter, immer besser, …

Um jetzt mal richtig tief in die Kiste mit den abgenutzten Redewendungen zu greifen: Der Weg ist das Ziel. Und ich persönlich fahre mit diesem Mindset ganz gut. Mir ist also gar nicht mehr so wichtig, etwas bestimmtes zu erreichen, sondern einfach das Tun an sich zu genießen und mich daran zu erfreuen, dass mir das gerade Spaß macht. „

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1 Comment

  • Reply Jana Lindberg Mai 14, 2020 at 6:24 pm

    Hallo Annabella Johanna,

    das freut mich sehr zu lesen in deinem Blog-Artikel, dass du meinen Beitrag über Scanner gut findest. Herzlichen Dank! Ich habe dir dort bei meinem Artikel auch geantwortet.

    Zu Barbara Shers Typen: Sie werden im Buch „Refuse to Choose“ bzw. „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du 1000 Träume hast“ ausführlich beschrieben und basieren einfach aus Barbaras Beobachtungen aus Tausenden Coachings und Gruppen.

    Sie unterteilt einerseits nach der Art des Interesses: 1. Leute, die immer wieder dieselben Dinge tun, 2. Leute, die ständig etwas Neues aufgreifen, 3. Universalisten, die vieles können und sich gar nicht so festlegen.

    Und andererseits nach der Geschwindigkeit, also wie sehr jemand in die Tiefe geht auf diesem Weg, von eilig bis vertieft.

    In einem Video habe ich von Barbara Sher gehört, dass sie selbst interessiert daran wäre zu erfahren, ob das erforschbar wäre. Jedenfalls ist es nur eine Grundstruktur, aus der wir wieder unser Eigenes machen können.

    Ich habe mich zum Beispiel so definiert, dass ich im Hauptzeichen „Sibylle“ bin, die stets zu denselben ca. 20 Themen zurückkehrt, aber mit dem Wunsch nach Expertise und Vertiefung; und sozusagen im Aszendenten 😉 Universalistin, die vieles kann ohne Vertiefung und der einfach ein gutes Leben wichtig ist.

    Insofern kann ich dich nur ermutigen: Du bist auf einem Super-Weg! Deine Botschaft (s.o.) ist total inspirierend: „mach dir keinen Druck, sondern einfach worauf du Lust hast Das ist was superschönes, sich für viele Dinge zu interessieren und mit einer gewissen kindlichen Begeisterung an Sachen ranzugehen. Deine Kanäle/Projekte sind DEINE Spielwiesen auf denen du dich kreativ austoben kannst.“

    Und wenn du so deinen Impulsen folgst, wirst du dir manchen Leistungsstress ersparen (etwas, womit ich immer wieder kämpfe). Und im Laufe der Zeit WIRST du von selbst richtig gut bei den Dingen, zu denen du eben Lust hast zurückzukehren. Das ist meine Erfahrung, und das macht auch Freude.

    Insofern viel Spaß, Inspiration und Freude beim Bloggen und allem anderen
    von einer Scannerkollegin,
    Jana

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